Johannes Diethart
Literat, Wissenschaftler und Verleger
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Kaleidoskop

Kaleidoskop

Texte von Mitgliedern
des Österreichischen Schriftstellerverbandes
aus den Jahren 1945–2005

Hg. Eleonore Zuzak

∙ Wahre Schwäche besteht darin, nicht zu seinen Schwächen zu stehen.

∙ Manch einer geht sogar über die eigene Leiche.

∙ Er war zur falschen Zeit am richtigen Ort. Jetzt muß er für seine     
   Unpünktlichkeit büßen.

∙ Ich habe das Glück, daß meine fixen Ideen keinen Schaden anrichten –
   noch nicht!

∙ Du hast nur ein Leben: Also brauchst du nur einmal zu sterben ...

∙ Wie arm sind Menschen, die nichts anderes haben als ihren Glauben.

∙ Vermeiden Sie zu viel Zucker, sagt mir die Ernährungsberaterin –und
   setzt dabei ihr süßestes Lächeln auf.

∙  „Neue” Rechtschreibung: Wieviel verordnete Dummheit verträgt die Sprache?

∙ Alt ist man, sobald man zu bedauern anfängt, zu früh geboren zu sein.

∙ Die Lage ist normal–also ist sie hoffnungslos.

∙ Die Regenbogenpresse macht es einem leicht: Je Farbe, desto dumm.

∙ Wir Dummköpfe überlassen unser Schicksal, das in unseren Händen liegt,
   immer wieder anderen.

∙ Er hat sich umgebracht, weil er die Ewigkeit nicht mehr erwarten konnte.
Süchtig

süchtig

66 Autorinnen und Autoren
über Lust und Laster

Residenz Verlag
Da Guidene Schuß

Gabi, Fritz,  Klein-Kevin, Dr. Alois Laggner, Notarzt

[Ort der Handlung:]
Abgewohnte „Ein Zimmer-Wohnung” in Wien-Ottakring

GABI: Da Gschrobb brauchd wos zun essn.

FRITZ: Und i brauch an Schuß. Und di ... 

[Klein-Kevin schreit vor Hunger.]

GABI: I mechd mid dia schnaggsln, kennsd di aus?

FRITZ: Foa drei Wochn am Goarlsplods hosd no ondas gschbrochn.

GABI: Do hod mi jo no da Peda duachpudsd.

[Klein-Kevin schreit immer noch vor Hunger.]

FRITZ: Gib eam wos, dein Gschrobbn! Und donn brauch i an Schuß. Und du a. Und zwoa an dobbldn.

[Lacht.]

GABI: Jo, an uandlichn Rumbla.  

FRITZ: Und fa wohea kummd dann da Ruwl fian nexdn Schuß?  

[GABI schweigt.]

[Klein-Kevin bekommt endlich sein Milupa.]

FRITZ: Hoffandlich gibd unsa Milubbabebi die nexdn zwa Schdundn a Rua! I bin scho gonds geil.

GABI: Do passn mia zwa guad dsomm, du und i.

FRITZ: In Paris brennan de Fuaschdedd und dAutos.

GABI: Des is ma wuaschd. Weg mit de Auslenda!

FRITZ: De bringan uns in Schdoff.  

GABI: De deafn bleibn.

FRITZ: Dsia di ned so! Dsiag di aus!

GABI: Scheiß BeHa!

FRITZ: Wo is dNodl?

[Das Milubbakind gurgelt gesättigt vor sich hin.]

GABI: Afn Nochdkasdl.  

FRITZ: Die Obraschalegg fan Dswandsgahaus hod an uandlichn Flida unda dModrodsn.

GABI: I wea si moagn bsuachn.

FRITZ: Seds da jo a Gobfdiachl auf, damids di fiara Dschuschin hoidn.  

GABI: Nua ka Banik, de Maschn kenn i scho. Schau, a geile Weabung. Des mechad i hobn!  

FRITZ: Staub ba da Obraschalegg uandlich o, dann kemma uns wida wos Geiles leisdn. An geiln BeHa zun Beischbü. Wäu deine Oidn lossn jo nix mea aus, de Gnausara.

GABI: De hom ka Faschdendnis fiar uns Sichdla. Obschaum samma, sogd da Foda. Und da Großfoda schbuggd foa miar aus. Dafia woara jo ba da SS! Sondakomando. Und dMuada hod jo sowiso nix zun beschdön! Kuschd jo scho ia gondses Lebm.

FRITZ: Mia dsiagn des jedsa duach: Dseaschd bock i di, dann schdich i di, donn schdich i mi, donn schlofma a dsweide Runde.  

GABI: A gonds a geile Runde. Jedsa kemma uns fawiaglichn!

[Klein-Kevin lag einige Tage lang zwischen den toten Selbstverwirklichern. Einsam. So ziemlich dehydriert. Daß er noch lebt, verdankt er seinem Schutzengel, der namentlich nicht genannt sein will.]

Dr. Alois Laggner, Notarzt: Überdosis. Das Kind fast zu Tode dehydriert. Das war knapp. Auf Wiederschaun!
P.E.N-Club

Literaturlandschaft

Niederösterreichischer
P.E.N.-Club
Eine Bestandsaufnahme
Unter Mitarbeit von Ruthilde Frischenschlager

Hg. Herbert Zemann

Johannes Diethart

Vor allem an den Universitäten, in „Frauen”-Verlagen und „Frauen”- Buchhandlungen läßt sich deutlich beobachten, daß die deutsche Sprache einer radikalen Geschlechtsumwandlung unterzogen wird: Fürderhin soll sie nicht mehr Werkzeug eines rein männlich geprägten „Denkens und Handelns sein”, die „Männerherrschaft” ist abgeschafft: mit dem besagten I, dem sogenannten „Binnen-I”.
Dieses radikal-feministische Meisterstück – wenn etwa das Wort Stu­dentInnen gesprochen wird – verkehrt sich oft ins Gegenteil, wenn viel­leicht unaufmerksame Lektoren nur „Studentinnen” verstehen und verge­bens nach „Studenten” suchen.
Vielfach weicht man deshalb etwa bei „LehrerInnen” nicht nur aus ästhetischen Gründen schon auf „Lehrerinnen und Lehrer” aus – oder noch besser, nämlich ins Gefilde der „Geschlechtslosigkeit” – auf Lehrerschaft, Lehrkörper und dergleichen.
Die stille Revolution des Binnen-I (oder wie es auf neudeutsch heißt: Splitting) wird sich vielleicht schon in einigen Jahren wieder totgelaufen haben: Vorläufig erweist es sich „in bestimmten Kreisen” als resistent gegen Vernunft, Regelwerk, Ästhetik und Tradition.
Eines aber ist klar: Der I-Wahnsinn hat Methode.
Über ein anderes aber sollten sich die „SplitterInnen” klar sein:
Die Diskriminierung der Frau ist vielfach noch gesellschaftliche Wirklichkeit. Aber soziale Benachteiligungen spielen sich zum überwie­genden Teil nicht in der Sprache ab, sondern im täglichen Leben. Wie nun die roten Flecken im Gesicht nicht die Masern sind, sondern nur deren Symptom, so sind auch die „sexistischen” Formen in der Sprache nicht die Ursache der Benachteiligung. Es hat wenig Sinn, statt der Masern die roten Flecken zu bekämpfen.
Nicht die Sprache muß geändert werden, sondern eben diese unsere gesellschaftliche Wirklichkeit! Es gibt keine „männliche” und keine „weibliche” Literatur: Es gibt nur gute oder schlechte Literatur, und die ist in bestem Sinne des Wortes geschlechtslos — dafür aber menschlich.

Gedankenbrücken

Gedankenbrücken

Prosa-Anthologie
des Österreichischen
Schriftstellerverbandes

Hg. Elenore Zuzak

Aphorismen

Politik hat ihre eigene Moral: Und der kleine Moritz wundert sich,
daß er von ihr immer wieder überfahren wird — besonders am Wahltag.

Restglauben klingt nach Restmüll.

Endlich ist die Welt wieder im Lot: Kinder haften für ihre Eltern!

Verschlossene Türen bedeuten noch lange nicht,
daß dahinter ein Schatz verborgen ist.

Rechte werden oft links liegengelassen.

Wenn sich einer zu viele Freiheiten herausnimmt,
ist es mit der Freiheit bald vorbei.

Viel zu reden ist ein gerne und oft geübter Brauch,
nichts sagen zu müssen.

Zeitgeist:
Sein Ich hinter dem scheindemokratischen Man-Gefühl verstecken.

Der Aphorismus ist der Ablativus absolutus der Literatur!

Nichts ist so schwer wie das Einfache.

Wer nichts zu sagen hat, flüchtet sich in Worthülsen. —
Sind wir denn alle Politiker?

Kunst und Wissenschaft sollte man lieber nicht mit dem Lieben Gott verwechseln,
sonst machen sie sich zu unseren Götzen und uns zu Narren.

Obwohl wir keine Analphabeten sind,
können wir die Zeichen an der Wand nicht lesen.

Signale, höret endlich auf die Völker.
© 2011 Johannes Diethart